Update verfügbar

Transkript

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„Update verfügbar – ein Podcast des BSI“

Transkription für Folge 62, 17.12.2025

IT-Support für zu Hause: Weihnachten 2.0

Moderation: Schlien Gollmitzer und Hardy Röde

Gäste: Noelle und Nicola vom digitalen Lern-Tandem der Universität Vechta

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Schlien Gollmitzer: Hardy?

Hardy Röde: Schlien?

Schlien Gollmitzer: In ein paar Tagen ist ja jetzt Weihnachten, wenn dieser Podcast rauskommt.

Hardy Röde: Es ist noch eine gute Woche bis Heiligabend.

Schlien Gollmitzer: Da werde ich immer so ein bisschen besinnlich, denke über vieles nach. Und ich freue mich auf diese wunderbare Zeit, die jetzt direkt bevorsteht, in der wir alle nach Hause reisen zu unseren Lieben, um dort …

Hardy Röde: … endlich die überfälligen Updates fürs Betriebssystem am Familienlaptop zu installieren oder ähnliche Sachen …

Schlien Gollmitzer: Ja, die Router alle wieder aus- und wieder anzustecken, die Bugs zu fixen, die Tastaturen zu entstauben, das Virenprogramm über die mechanische Festplatte rattern zu lassen.

Hardy Röde: Also wer jetzt nicht in Weihnachtsstimmung ist …

Schlien Gollmitzer: …dem kann man auch nicht helfen.

Hardy Röde: Ich habe tatsächlich, wie der Zufall so spielt, heute genau so eine Geschichte dabei.

Schlien Gollmitzer: Von einer Begegnung von zwei Menschen?

Hardy Röde: Okay stimmt, es spielt nur zufällig an Weihnachten, geht aber tatsächlich genau um das Thema, was du schon angerissen hast: IT-Support im Kreis der Familie. Herzlich willkommen zu dieser letzten Folge 2025, liebe Hörerinnen und Hörern. Kleiner Hinweis gleich vorab, unsere Gäste heute, es sind zwei, die erzählen unter anderem, welche Schutzmaßnahmen sie in ihrem digitalen Leben benutzen, was sie für Programme dabei konkret verwenden, unter anderem Passwortmanager. Wir hören die eigene Erfahrung von den beiden und nicht eine konkrete Empfehlung oder die Meinung des BSI. Wir Ihr Euch im Netz am besten schützen könnt, erfahrt Ihr wie immer hier im Podcast unter den BSI-Informationen.

Hardy Röde: Das ist „Update verfügbar“, ein Podcast des BSI für Sicherheit im digitalen Alltag mit Schlien Gollmitzer und Hardy Röde.

Nicola: Ich bin 56 Jahre alt, bin nicht verheiratet, keine Kinder, bin aber aufgrund eines schweren Unfalls Erwerbsunfähigkeitsrentnerin seit 2011, also jetzt seit knapp 14 Jahren. Und ich gehe schon mit, mit dieser Hightech oder das, was man mitbekommt. Natürlich habe ich auch ein Handy seit 2000. Ich hatte damals nicht so ein Interesse daran, aber habe es aber dann zu Weihnachten von meinen Eltern geschenkt bekommen, so nach dem Motto: „Weil du immer alte Autos fährst – wenn du mal mit deinem Auto liegenbleibst, dann kannst du keinen benachrichtigen.“ So bin ich zum Handy gekommen.

Noelle: Das, was für Nicola Hightech ist, ist für mich eigentlich normal. Das ist so das, was ich da so für mich rausnehme. Aber man muss natürlich auch bedenken, dass ich seit Anfang meiner Teenagerjahre mit Computern und Handys und vielen anderen Geräten zu tun hatte. Das heißt, an mir konnte das gar nicht vorbeigehen und dementsprechend navigiere ich jetzt auch Sachen, die für andere wahrscheinlich ein bisschen schwieriger sind, relativ problemlos. Was für mich Hightech ist, sind dann für dich so Sachen, die absolut von dieser Welt sind…

Hardy Röde: Die beiden habe ich tatsächlich getroffen. Das sind Nicola, 56 Jahre alt und Noelle, 26.

Schlien Gollmitzer: Die Namen hast du dir doch ausgedacht jetzt, oder? Nicola und Noelle, tatsächlich? Nicola und Noelle in einer Folge zwischen Nikolaus und Weihnachten.

Hardy Röde: Da wäre ich jetzt so nicht draufgekommen.

Schlien Gollmitzer: Es ist tatsächlich eine Weihnachtsgeschichte, die uns jetzt erzählt wird.

Hardy Röde: Wenn dir die Geschichte so besser gefällt, Schlien, bin ich da natürlich dabei. Jedenfalls, die zwei sind nicht verwandt und nicht verschwägert, eher so eine Wahlfamilie. Noelle ist 30 Jahre jünger als Nicola. Wie sie sich kennengelernt haben, erzählen wir gleich. Und Nicola, das merkt man schon im Gespräch mit ihnen, die navigiert so manche Alltagssituationen ein bisschen anders als Noelle.

Nicola: Also zum Beispiel habe ich immer noch meinen alten Atlas in meinem Auto, falls mal die Situation eintreten sollte, dass ich nicht weiß, wo ich hinmuss. Und da sind auch Großstädte drin. Das war damals unsere Welt. Wenn ich damals eine Freundin in Berlin besucht habe, da hatte ich alles auf ein DIN A4-Blatt notiert: Jetzt musst du die Straße, dann musst du drei Straßen und so weiter. Da musste man während der Autofahrt lesen, was man ja eigentlich nicht sollte, aber was sollte man machen? Es hat kein Navi gesagt: „Jetzt biege mal bitte ab oder nehme die nächste Straße und bieg ab.“ Sondern ich musste nach meinem ADAC-Atlas gehen.

Noelle: Ich für meinen Teil könnte mir schon gut vorstellen, dass ich mit einem Atlas hinkommen würde. Ich muss das halt nie machen. Aber ich denke, auf Biegen und Brechen würde ich's irgendwie schaffen. Aber auch nur, weil ich ein Dickkopf bin und mich in so was dann reinfuchse. Also, wenn ich dann auch irgendwo hinkomme, dann würde das, denke ich, schon schaffen. Aber es wäre ein interessantes Experiment, das mal auszuprobieren, ob, wenn man mir eine Karte in die Hand drückt, ob ich dann tatsächlich an meinem Zielort ankomme. Das werde ich mir auf jeden Fall mal merken und mal machen.

Schlien Gollmitzer: Oh, da sprechen sie aber was an, da kann ich mich auch noch sehr gut dran erinnern. Vor 20 Jahren, als ich nach München gefahren bin, habe ich mir auch immer vorher die Straßen und Strecken auf so einem A4-Zettel notiert, habe mir alles aufgeschrieben und so: Da vorne an der Schell-Tankstelle links und da hinten am Briefkasten rechts.

Hardy Röde: Schlien ohne Handy, das kann ich mir ja tatsächlich vorstellen.

Schlien Gollmitzer: Ja, heute fahre ich tatsächlich nicht mal zum Briefkasten ohne Navi, liegt aber hauptsächlich daran, dass ich wirklich immer so die Zeit abschätzen will. Deswegen habe ich immer das Handy nebendran an. Ich könnte schon noch nach Straßennamen tatsächlich fahren. Aber jetzt hast du schon angedeutet, du wolltest noch erzählen, wie die beiden, Nicola und Noelle, sich kennengelernt haben.

Hardy Röde: Die kennen sich zufällig von ihrer früheren Arbeit, wo sie öfters sich getroffen haben. Noelle hat damals studiert an der Uni Vechta. Und da gab es ein interessantes Projekt, nämlich das digitale Lern-Tandem.

Schlien Gollmitzer: Das kann ich mir so vorstellen: Menschen mit IT-Knowhow helfen Menschen ohne IT-Knowhow, oder?

Hardy Röde: Genauso. Und da hat Noelle, die in diesem Programm drin war, Nicola als ihre Tandem-Partnerin vorgeschlagen, was super gepasst hat, weil die gleich ein ganz konkretes Anliegen hatte. Nicolas Ex-Partner hatte Zugriff auf ein paar von ihren Passwörtern, die sie benutzt hat. Und sie hat den ziemlich großen Verdacht gehabt, dass er sie damit manipuliert, dass er zum Beispiel Passwörter ständig ändert, damit sie nicht mehr in ihre Accounts reinkommt.

Nicola: Ich habe Noelle gefragt, ob sie mir da helfen könnte. Ich habe damals auf vier DIN A4-Zetteln meine Codes und meine Pins festgehalten, damit ich die nicht vergesse. Und diese Zettel hatte damals auch mein Ex-Partner gesehen. Ich habe das daran gemerkt, dass andauernd meine Passwörter nicht stimmten: Ich meine, wenn man die zweimal konzentriert eingegeben hat und … das ist schon sehr merkwürdig. Da merkt man dann zum Beispiel, wie die Computerwelt eine andere Person beeinträchtigen oder auch in schwierige Situationen bringen kann.

Noelle: Ich kann mich auf jeden Fall daran erinnern, dass ich das eine nicht nachvollziehbare Situation fand, dass ein Ex-Partner so viel Groll hegt, dass er die Passwörter von jemand anderem klaut, um die dann zu ändern, einfach nur, um die andere Person zu nerven. Wirklich Schaden angerichtet wurde dadurch – glaube ich – nicht. Es war für dich nur ...

Nicola: … nervig, weil andauernd musste ich mir wieder ein anderes Passwort einfallen lassen. Das ist heute so: Passwort vergessen und dann kannst du mal schnell ein neues Passwort bekommen. Ich hatte so eine Angst, dass er nachher alles Mögliche bestellt. Das hat man schon öfter gehört. Und dann auf meinen Namen und ich kriege die Rechnung. Genau aus dem Grund habe ich es damals der Polizei auch gemeldet.

Schlien Gollmitzer: Das ist ein absoluter Albtraum tatsächlich. Das ist das Worst-Case-Szenario. Und vor allem, wenn man diesen komischen Verdacht hat und sich die ganze Zeit so ausspioniert fühlt. Das heißt also, Nicolas digitales Leben wurde von ihrem Ex-Partner lahmgelegt.

Hardy Rhöde: Vermutlich, ja.

Schlien Gollmitzer: Und man kann ihr das, finde ich, immer noch so ein bisschen anhören, wie sie davon erzählt, dass sie das halt auch komplett verunsichert hat, nehme ich mal an. Und dass sie Angst hatte und nicht wusste, was da gerade passiert und ob sie überhaupt noch sicher im Netz unterwegs sein kann. Und Angst ist ein sehr schlechter Begleiter, nicht nur im Leben, sondern auch im Netz.

Hardy Röde: Ja, den Eindruck hatte ich auch. Super, dass sie damals zur Polizei gegangen ist. Das machen viele Opfer von digitaler Gewalt leider nicht, aus Scham oder aus tausend anderen Gründen. Aber sie hat es gemacht. Das war schon mal ein super richtiger Schritt.

Schlien Gollmitzer: Und dann hat ihr aber ja zum Glück Noelle geholfen, die genau im richtigen Moment mit ihrem digitalen Lern-Tandem angefangen hat.

Hardy Röde: Das war also Zufall, aber dann haben sie genau mit diesem Thema ihr digitales Lern-Tandem gleich angefangen, haben sich in der Küche von Nicola zu Hause getroffen. Da haben sie sich auch mit mir jetzt wieder unterhalten, einige Zeit später beim Interview, als ich die beiden getroffen habe. Sie haben sich lange nicht gesehen, und ich habe sie gefragt, ob sie sich erinnern können, wie sie damals ihre ersten Schritte gemacht haben. Also erst mal diese eine Mail-Adresse zum Beispiel lahmlegen über die Nicolas Accounts bisher alle gelaufen sind.

Noelle: Also, die nächsten Schritte waren, eine neue E-Mail für dich einzurichten und dir dann diesen Passwortmanager zu besorgen.

Nicola: Genau.

Noelle: Das war ja eigentlich so direkt der Anfang. Nutzt du den eigentlich noch?

Nicola: Ja.

Noelle: Cool, das freut mich.

Nicola: Ja, so habe ich das auch in Erinnerung: Noelle hat mir geholfen, hat sich an meinen Laptop gesetzt und mir gezeigt, wie man vorgeht, dass ich gesicherter bin.

Noelle: Ich hatte ihr damals das Passwortprogramm Bitwarden eingerichtet. Und da ist es so, dass man sich eigentlich nur das Masterpasswort für das Programm merken muss und da drinnen kann man dann für alle möglichen Programme das Passwort abspeichern.

Nicola: Aber jetzt ist ein Fehler aufgetreten. Warum, weiß ich jetzt auch nicht, weil ich so lange nicht mehr damit gearbeitet habe.

Noelle: Jetzt muss doch Papier wieder her.

Nicola: Ja, genau. Und das habe ich ja auch auf dem Zettel damals aufgeschrieben…

Schlien Gollmitzer: Das ist ja auch süß: Diese Zettelwirtschaft wird Nicola trotzdem immer noch nicht ganz los, oder?

Hardy Röde: Ja, was man sich halt einmal so angewöhnt hat, gell? Aber man muss eins sagen, es spricht prinzipiell auch überhaupt nichts dagegen, wenn man sich Passwörter auf Papier notiert.

Schlien Gollmitzer: Ernsthaft? Also das habe ich jetzt gar nicht mehr so auf dem Schirm gehabt. Gut, ich habe jetzt vielleicht so ein bisschen ein falsches Bild davon im Kopf, von diesem Post-it-Zettel, auf dem man das Passwort schreibt und das dann an den Monitor heftet. Das ist vielleicht keine gute Idee. Dann lieber in der Mappe sicher verstauen irgendwo.

Hardy Röde: Also das Post-it am Bildschirm ist so ungefähr der Worst Case und das ist absolut unsicher, das ist ja klar. Solange das Papier so verwahrt ist, dass niemand Unbefugtes rankommt.

Schlien Gollmitzer: Also wie bei Nicolas Ex-Partner in der vorherigen Situation, das sollte natürlich auf keinen Fall passieren.

Hardy Röde: Wir hoffen jetzt mal, dass sie die Zettel, in die sie hier gerade reingeschaut hat, tatsächlich gut verstaut hat. Es gibt einen Kniff noch, wie man die Papierversion wirklich sicher macht, dass man sich einen Teil des Passworts, zum Beispiel den ersten Teil, so konstruiert, dass man ihn sich auswendig merken kann. Und das ist dann auch die Empfehlung vom BSI für alle, die sich sowas lieber handschriftlich notieren.

Schlien Gollmitzer: Ja, und bevor jetzt irgendwelche falschen Ideen aufkommen, dieses Passwort sollte nicht 1, 2, 3, 4, 5, 6 sein, wobei wir uns 1,2,3 merken und 4,5,6 auf einen Zettel schreiben. Also das ist nicht die gute Version. Also der Klassiker wäre jetzt zum Beispiel die Anfangsbuchstaben eines Satzes wie: Schlien und Hardy erzählen in ihrem Podcast immer, dass Hardy mehr als 600 Passwörter in seinem Passwortmanager stehen hat. Das ist doch praktisch, da macht man einfach: S-U-H-E-I-I P-I D-H M-A 600 P-IS-P-S-H. Und nein, liebe Hörerinnen und Hörer, das habe ich gerade abgelesen und mir nicht gemerkt.

Hardy Röde: In Echt macht Ihr es wahrscheinlich ein bisschen kürzer, aber solche Sätze funktionieren. Das ist also eine absolut sichere Methode, wie Ihr so ein einfach zu merkendes Passwort erzeugt. Und dann auf die Liste kommt eben nur die zweite Hälfte des Passworts, die man sich nicht merken kann, weil es so zufällig wie möglich sein soll. Also Zahlensalat, Buchstabensalat. Je komplizierter und zufälliger, umso besser. Den muss man sich dann nicht merken.

Schlien Gollmitzer: Okay, und aus dem ersten Gemerkten und dem zweiten aufgeschriebenen Teil wird dann das komplette Passwort. Aber ehrlich gesagt ist mir dann trotzdem dieser digitale Passwortmanager deutlich lieber. Für mich persönlich.

Hardy Röde: Für mich persönlich auch, wenn Ihr praktische Tipps braucht zu Passwortmanagern, auf Papier oder digital, dann gibt's die natürlich auf der BSI-Webseite. Die Links haben wir euch alle in die Shownotes reingepackt. Und es ist ja auch so, Schlien, Noelle hat auch Nicola inzwischen vom Passwortmanager am Handy überzeugt

Noelle: Wir hatten das damals gemacht. Sie hatte diese ausgedruckte Version. Und dann sind wir einmal alle Accounts und Webseiten, das was ihr wirklich wichtig war, sind wir einmal komplett durchgegangen. Und haben dann mit Bitwarden für jedes ein sicheres Passwort gemacht. Ein paar davon sind wahrscheinlich noch aktuell, aber die wichtigsten sind auf jeden Fall geändert.

Nicola: Mist, das war halt auch einer, den ich mit Hand geschrieben habe, das weiß ich. Also das war nämlich nicht der Getippte.

Noelle: Hier guck mal, das hier ist es. Probiere das hier mal …

Nicola: Ich meine, dass ich das erst gerade eingegeben habe, also großes H …

Noelle: Am besten teilst du nicht jedem dein Passwort mit …

Nicola: Nein, nein.

Noelle: Das wäre ein bisschen ungünstig.

Hardy Röde: Ja, gerade nochmal gut gegangen.

Schlien Gollmitzer: Das war ein bisschen knapp gerade.

Hardy Röde: Da hätten sie beinahe vor unserem Podcast-Publikum das Passwort ausgeplappert.

Schlien Gollmitzer: Dann hätten wir neue Passwortideen gewonnen.

Hardy Röde: Die zwei wollten sich bei unserem Gespräch mal wieder in einen Uralt-Account einloggen, den Nicola schon seit Ewigkeiten nicht mehr benutzt hat. Und da hat sich herausgestellt, dass sie tatsächlich neben dem Passwortmanager noch ein neueres Passwort auf dem Zettel notiert hat.

Schlien Gollmitzer: Der dann aber hoffentlich gut verstaut war, dieser Zettel, sodass sie ihn nur selber finden kann.

Hardy Röde: Genau, also das nehmen wir jetzt mal an. Login hat jedenfalls geklappt, als die beiden das alles durchgegangen sind miteinander. Noelle hat dann auch sehr genau drauf geschaut, dass ab jetzt wieder alles nur noch im Passwortmanager drinsteht und sonst nirgends. Nicola benutzt ihn tatsächlich für alle Logins, die sie jeden Tag braucht in ihrem digitalen Leben. Und sie ist froh drum, das hat sie ein paar Mal in unserem Gespräch gesagt, weil sie sich jetzt wieder sicher im Netz fühlt und nicht mit der Angst die ganze Zeit lebt, dass irgendwer ihre Passwörter aufstöbert und missbraucht.

Schlien Gollmitzer: Ja, da muss ich jetzt an der Stelle mal sagen, wenn ich den beiden so zuhöre, ich finde das toll, mit welcher Geduld die Noelle auch auf die Nicola eingeht und mit ihr darüber spricht. Also ich finde es auf Augenhöhe. Es ist ein schönes Verhältnis zwischen den beiden.

Hardy Röde: Was mir aufgefallen ist, was ich gut finde, ist, dass sie genau das miteinander gemacht haben, was die Nicola in dem Moment wirklich gebraucht hat. Also Passwörter sind durcheinander und in fremde Hände gefallen. Neue Passwörter einrichten, für jeden Dienst eins. Sichere Passwörter erzeugen und das Ganze dann im Passwortmanager so einrichten, dass es einfach im Leben zu benutzen ist und fertig. Und mehr hat Nicola gar nicht gebraucht und ist bis heute da froh drum.

Schlien Gollmitzer: Ja, man neigt dazu, zu viel auf einmal machen zu wollen. Dann richte ich das noch ein, dann machen wir jenes noch, dann starten wir den Router nochmal neu – hier und da. Und ich muss ehrlich sagen: Wenn ich mir die Situation mit meiner Mutter vorstelle – ich glaube, ich hätte die Geduld ehrlich gesagt nicht. Eher vielleicht noch bei einer Nachbarin. Da könnte es gehen. Es ist ein bisschen das gleiche Prinzip wie: Man gibt ja seinen eigenen Kindern auch keine Nachhilfe.

Hardy Röde: Interessante Charakterfrage. Jetzt zerbricht so ein bisschen die Fassade von diesem weihnachtlichen Frieden, den du vorher am Anfang aufgemalt hast. Muss ich jetzt die Geschichte weiter erzählen vom Heimkehren der Generationen?

Schlien Gollmitzer: Ja, aber das ist doch tatsächlich so an Weihnachten, oder? Da ist doch immer so ein bisschen Zündstoff mit drin. Und es ist doch auch nicht so, als hätten die jüngeren Generationen wahnsinnig viel Lust für die Eltern oder Großeltern, diese ganzen digitalen Probleme zu lösen. Aber Vorschlag zur Güte, Hardy: Ich feiere mein digitales Weihnachten bei deiner Familie und du einfach bei meiner. Dann hätten wir beide genug Geduld dafür vielleicht.

Hardy Röde: Könntest du mir vielleicht vorab eine Liste schicken, auf welchem Stand die ganzen Endgeräte sind, dass ich mich da schon so ein bisschen drauf vorbereiten kann?

Schlien Gollmitzer: Das heißt also eine Liste meiner ganzen Familienmitglieder aufschreiben.

Hardy Röde: Also jedenfalls, wenn wir Noelle fragen würden, die würde uns beiden wahrscheinlich sagen: „Hey, die ganze Geduld lohnt sich, auch wirklich egal, wem du hilfst, ob verwandt, bekannt oder nicht – es lohnt es sich für beide, nicht nur für den, dem geholfen wird.

Noelle: Also es war auf jeden Fall interessant diesen Einblick zu bekommen, wie jemand anderes so seinen Weg drumherum findet. Ich habe weniger Aha-Momente als ein sehr tiefes Verständnis dafür, dass andere Leute mit solchen Sachen einfach auch anders umgehen. Und zum Beispiel jetzt auch zu sehen, so nach anderthalb Jahren, okay, das mit Bitwarden ist an sich eine coole Sache. Aber für dich sind Zettel irgendwo einfacher zu managen.

Nicola: Genau. Ich weiß, ich kann jemanden ansprechen. Ich kann immer Noelle fragen und sie kann mir eine Antwort geben. Aber ich weiß ja, da ich dieses Programm habe, dass ich gesichert bin, dass nicht fremde andere Leute in mein Programm reinkommen können. Und das ist für mich wichtig ...

Schlien Gollmitzer: Also, eine schlechte Erfahrung war der Auslöser dafür, dass sie eine große Angst vor dem Digitalen entwickelt hat. Das ist so ein bisschen mein Eindruck aus eurem Gespräch und das kann ich nachvollziehen. Wie gesagt, Angst ist da ein sehr schlechter Ratgeber. Deswegen braucht man auch einfach die Informationen dazu, weil sonst führt das einfach dazu, dass man sich gar nicht mehr traut, irgendwelche neuen Sachen auszuprobieren. Und hey, das digitale Leben bietet auch wahnsinnig großartige Möglichkeiten heutzutage. Und da haben wir es wieder von der digitalen Teilhabe. Wenn ich darauf keinen Zugriff mehr habe, bin ich halt irgendwann raus. Also umso wertvoller, wenn jemand einen Ansprechpartner, eine Ansprechpartnerin findet, der die sich da dieser Sache annimmt.

Hardy Röde: Ja, also da ist Noelle wirklich genau im richtigen Moment gekommen und das Projekt dazu an der Uni Vechta, dieses digitale Lern-Tandem. So wie es bei Nicola rausgehört hat, hatte sie davor auch immer so ein bisschen Hemmungen, jemanden zu fragen mit so einem digitalen Problem –Lock-in-Handy, dies das – weil sie Angst hatte, dass sie den Leuten einfach auf die Nerven geht oder dass ihnen zu viel Zeit kostet. Und ich glaube aber, diese Erfahrung mit Noelle, diese positive, die sie gemacht hat, die hat ihr das gezeigt, dass man durchaus da sich an jemand wenden kann. Und ich glaube, sie würde es auch wieder tun.

Schlien Gollmitzer: Ja, und sie hat ja auch noch mal extra betont, sie fühlt sich einfach jetzt gut sicher im Netz. Sie fühlt sich gesichert jetzt auch mit diesem Passwortmanager und das ist ja das, wo wir alle hinwollen.

Hardy Röde: Unsere kleine Weihnachtsgeschichte.

Schlien Gollmitzer: Mit Noelle und Nicola.

Hardy Röde: Sie endet. Also heute mit dem Satz: Geht hin und spendet digitale Sicherheit euren Nächsten, euren NachbarInnen, euren KollegInnen, wem auch immer.

Schlien Gollmitzer: Die wollen wir euch auch gerne mitgeben, hier in unserem Podcast, diese digitale Sicherheit in jeder Folge. Also wir wollen euch nicht abschrecken, wenn wir euch jetzt von diversen Gefahren erzählen oder von aktuellen Bedrohungen in diesem Podcast, sondern wir wollen euch eben diese Sicherheit mitgeben. Dass ihr gerne diese Technik nutzt für alles, was ihr im Netz so gerne machen möchtet.

Hardy Röde: Und dafür wollen wir auch nächstes Jahr wieder euer digitales Podcast-Tandem hier sein. Und freuen uns natürlich sehr, wenn ihr uns weiterhin zuhört.

Schlien Gollmitzer: Das war die Folge 62 von Update verfügbar. Für alle Fragen zum digitalen Alltag, zur Cybersicherheit findet Ihr, liebe Hörerinnen und Hörern, natürlich das Team des BSI auch auf Facebook, auf Instagram, auf Mastodon und auf YouTube. Und wie gesagt, alle Links und alle Tipps zum Thema Passwörter haben wir für Euch in die Shownotes dieser Folge gesetzt.

Hardy Röde: Bis zum nächsten Update.

Schlien Gollmitzer: Bis zum nächsten Update und frohe Weihnachten!

Hardy Röde: Frohe Weihnachten!